Bremer Freimarkt

Gruß vom Bremer Freimarkt; Oktober 1897 Einmal im Jahr, in der zweiten Oktoberhälfte, vergessen die Bremer ihre zurückhaltende Art stopfen sie sich mit Waffeln, Rollmöpsen, Räucheraal, Türkischem Honig und Bratwürsten voll.

950 Jahre Freimarkt Sültzer Salzt Für Die Gaffer

Was dem rheinischen Jecken sein ,,Helau'' oder ,,Alaaf'', das ist dem Bremer sein Schlachtruf ,,Ischa Freimaak!''. Mit der Betonung auf ,,...maak''. Auf Hochdeutsch ,,Es ist ja Freimarkt!'' Diesmal, Anno 1985, wird ein ganz besonderer Freimarkt ausgeschrieben, denn es gibt ihn seit 950 Jahren. Gründungsdatum des Marktes ist das mittelalterliche Jahr 1035. Vom 19. Oktober bis 3. November geht es in Bremen rund.

Der Freimarkt ist bis heute ,,Bremens fünfte Jahreszeit'' geblieben (auch wenn mit dem Sommer diesmal eine Jahreszeit ausgefallen ist), bei der in der Freien Hansestadt vieles anders is als sonst. Einst wurde bei diesem Herbstmarkt das verkaufsmonopol der Bremer Händler außer Kraft gesetzt, und auch die auswärtigen Krämer durften ,,frei'' ihre Waren feilbieten. An die Stelle des Warenhandels trat im Laufe der Jahrhundert die Volksbelustigung. Nur in den traurigen Kriegs- und Nachkriegsjahren 1914 bis 1919 und 1939 bis 1945 fiel der Freimarkt aus. Doch seitdem zieht er ,,alle Jahre wieder'' Hunderttausende von Besuchern an.

Das gilt in besonderem Maße für das diesjährige Jubiläum. Zu diesem historischen Datum läßt sich die ,,Obrigkeit'' - der Senat als Nachfolger des ,,Wollendelen und Hochweisen Rathes'' - einiges einfallen. In der Unteren Halle des Alten Rathauses informiert eine Ausstellung über die Geschichte des Freimarktes. Unter Federführung des Senators für inneres setzten sich Vertreter verschiedener Interessengruppen zusammen Einzelhandel, Schausteller, Gaststätten- und Hotelgewerbe sowie mehrere Behörden wollen zusammen mit dem Verkehrsverein ,,allerlei Kurzweil'' beiten. Rund um den Roland und auf dem benachbarten Liebfrauenkirchhof soll sich historisches Marktleben entfalten. Auf dem Kirchhof Unser Lieben Frauen bieten Händler in historischer Tracht ihre Warren feil und arbeiten Handwerker. Gleich neben dem Denkmal der Bremer Stadtmusikanten wird eine Bühne errichtet. Von ihr herab erschallen klassische Deklamationen, etwa die edlen Verse Shakepeares, aber auch das Geschrei der Ausrufer und Possenreißer, die beispielweise den wandernden Wunderarzt Doktor Eisenbarth ankündigen. Dazwischen tönen Trommel und Ruf des Ratsherolds, der aus der ,,Kundigen

Rolle'' die Marktordnung verliest und Newigkeiten verkündet.

Ein ,,Sültzer'', weitgereister Gast aus Lüneburg, baut vor einem alten Salzwagen seine kleine Siederei auf. Er kocht seine Sole und harkt dann das gewonnene Salz zusammen, um es in kleinen Säckchen an die Gaffer zu verteilen.

Translation from a book about the Bremer Freimarkt by Voigt, Bärbel

Since 1832 some families had the first "Bremer Karussell". There were roaring-horses and coaches on a round. Four strong men pushed it until it goes round and round. The horses were out of wood, but had real tails and manes and also real saddles. The music was ever modern and brand new.

Except Dralle the names of the Carousel-Families were Forquignon, Kruger, Kamena, Bollken, Ehlers, Lurssen and Gerke. The carousels from Dralle and Kamena were the best of all. (They belonged together) until 1949 it was the meeting point on the "Freimarkt" for young people. They called it Flirt-Carousel. The young gents gave their girls peacock's feathers. It was a special in that time. Dralle had the carousel 4 generations. 1901 it had Ludwig Dralle.

Trotz "heftigen Zugwindes' harmlose Poussage - Die Bremer Karussells von Dralle und Kämena

Das "Karussellreiten' fand bald auch bei den Erwachsenen einen großen Anklang. Unter solch günstigen Voraussetzungen lohnte es schon, weitere Karussells in der Freimarktszeit aufzubauen. I832 waren es ihrer bereits sechs, unter denen besonders das große Bremer Karussell auffiel. Hier hört man zum ersten Male von einem Karusselltyp,der über ein Jahrhundert immer wiedergekehrt ist und bei dem die aufgehängten hölzernen Pferde und die Kutschen über den Boden hin von vier kräftigen Männern in Gang gesetzt wurden. Die. Rosse in gestrecktem Galopp, mit richtigen Mähnen und Schweifen, trugen sogar echte Sättel und echtes Zaumzeug. Außer Gercke hielten die Familien Bölken, Dralle, Forquignon, Krüger, Ehlers, Kämena, Lürßen und Lange Jahrzehnte hindurch Karussellplätze auf dem nördlichen Teil des Domshofs besetzt.

Eines großen Zuspruchs konnten sich bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges die Bremer Karussells von Dralle und Kämena erfreuen. Familie Dralle ist in vier Generationen mit ihrem Geschäft auf dem Freimarkt vertreten gewesen. Das von ihr im Jahre 1880 erbaute neue Bremer Karussell traf hier zum letzten Male I949 ein. Schon seit 1935 war das Bremer Karussell von Diedrich Wilhelm Kämena, das später Conrad Zickfeld erworben hatte, auf dem Freimarkt nicht mehr erschienen. In ihren Glanzzeiten machten diese Karussells gute Geschäfte. 1901 versicherte Ludwig Dralle auf Befragen, daß er im Freimarkt durchschnittlich einen reinen Verdienst von etwa 900 Mark habe. Die "Poussierkarussells" von Dralle und Kämena bildeten lange Zeit den Treffpunkt der Jugend. Hier standen die Herren Primaner und Sekundaner

und fächelten ihre Auserwählte" mit Pfauenfedern. Es war ein harmloses Umwerben. Damals hatte das alles eine eigene Note, und der Reiz ,des Verbotenen gab der Situation jene unvergeßlich selige Stimmung. Heute kennt die Jugend das kaum mehr, weil sie nicht mehr so getrennt aufwächst und immer beim Sport beisammen ist. Damals war es höchster Triumph der Mädel, viele Pfauenfedern mit heimzutragen, die man stehend auf den Vorderbeinen der Karussellrosse ergriff. Die Schüler legten all ihr Taschengeld an für diese Pfauenfedern und auch für Veilchen." Kleine Veilchensträuße kosteten zur Freimarktszeit I899 3o bis 40 Pfennig"'.

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